01 Februar 2009

Norwegischer Kabeljaubestand in gutem Zustand

Umweltschützer warnen immer wieder vor der Ausrottung der Meere durch Überfischung; und das nicht ohne Grund, denn in einigen europäischen Meeren hat der Bestand bestimmter Fischsorten -der Kabeljau ist besonders betroffen - stark abgenommen. Anders in Norwegen: hier hat man es dank konsequenter Schonprogramme geschafft, den Bestand in den Gewässern seit langem auf konstant stabilem Niveau zu halten.

Auch wenn eine Beschränkung der Fangmengen im Falle der EU-Staaten grundsätzlich sinnvoll ist, um den Bestand zu sichern, sollte man aber das Thema Überfischung differenzierter betrachten. Zwar gilt eine ganze Reihe von Arten als überfischt, dies bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Spezies Gefahr laufen auszusterben.

"Die Erfahrung hat gezeigt, dass geeignete Maßnahmen durchaus dazu beitragen können, dass sich die Situation bedrohter Fischbestände überraschend schnell verbessert", bestätigt Meeresbiologe Christopher Zimmermann von der Bundesanstalt für Fischerei in Hamburg. "Vorausgesetzt sie werden rechtzeitig in die Tat umgesetzt und es sind noch genug Tiere vorhanden".

Besonders hart traf die Jahrzehnte anhaltende Überfischung allerdings den Kabeljau in der Nordsee: Dessen Bestand ist auf weniger als zehn Prozent seiner Größe in den siebziger Jahren gesunken und hat damit einen historischen Tiefststand erreicht. Deutlich besser ist es um den nordostatlantischen Kabeljau bestellt, dessen Bestand Norwegen mit Russland teilt. Anders als sein gebeutelter Vetter in der Nordsee garantiert er den Fischern seit Jahren lohnende Fänge.

Experten erwarten sogar, dass die Population trotz gestiegener Quoten weiter zunimmt. Der Grund: Seit in den siebziger Jahren die Erträge bei bestimmten Arten wie Hering und Kabeljau merklich zurückgingen, leitete Norwegen eine radikale Wende in der Fischereipolitik ein. Dabei war allen Beteiligten klar, dass Fangquoten allein nicht ausreichen, um der Lage Herr zu werden.

Heute betreibt das Land eines der besten und erfolgreichsten Schonungs- und Erholungsprogramme der Welt. Hauptaugenmerk gilt dabei der nachhaltigen Bewirtschaftung und dem verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Meeresressourcen. Nur wenn nicht mehr Exemplare einer Art gefangen werden, als sich auf natürlichem Wege regenerieren, bleibt der Bestand stabil.

Aus diesem Grunde setzt die norwegische Fischereipolitik unter anderem auf den Schutz der Jungfischbestände: Um den Nachwuchs nicht zu gefährden, müssen beispielsweise die Netzmaschen in der Kabeljau-Fischerei eine bestimmte Mindestgröße haben: Heranwachsende Tiere können rechtzeitig entkommen, selbst ins fortpflanzungsfähige Alter gelangen und den Bestand mehren. Außerdem dürfen die norwegischen Fänger, im Gegensatz zu ihren Kollegen in der EU, überzählige oder unerwünschte Fische nicht ins Meer zurückwerfen - ein verbreitetes Vorgehen, wenn Fischer ihre individuelle Quote übertroffen haben. Das Problem: Zwar überleben die Tiere diese strapaziöse Behandlung meist nicht, dennoch tauchen sie in keiner offiziellen Statistik auf.

Seit Anfang 2004 gehen die Verordnungen zum Schutz der Fischbestände sogar noch einen Schritt weiter: Künftig müssen Norwegen und sein Verhandlungspartner Russland sogar Fänge zu Forschungszecken in die Quote einbeziehen. Strengste Kontrollen an Land und auf See durch das Fischereidirektorat sowie die Küstenwache ergänzen die effektiven Schonmaßnahmen und tragen dazu bei, den gesunden Bestand von Kabeljau und allen anderen Fischarten in norwegischen Gewässern auch in Zukunft zu sichern