30 September 2009

Das hat Tradition: Fischerei in Norwegen.

Die Küstenlinie Norwegens mit ihren Inseln und tiefen Fjorden erstreckt sich über ca. 57.000 Kilometer. Diese Strecke ist deutlich länger als der Äquator. Fischfang, Verarbeitung und Handel sind seit jeher eine wichtige Basis für die Entwicklung von Wirtschaft und Kultur an Norwegens Küste.

Das liegt an den guten Bedingungen: Nach wie vor sorgt der Golfstrom mit seinen milden Temperaturen für optimale Nahrungsverhältnisse und gute Wachstumsbedingungen der Fische und Meeresfrüchte vor der Küste Norwegens. Die Norweger haben immer den Fischreichtum direkt vor der Haustür genutzt. Schon im Mittelalter exportierten sie über die Stadt Bergen ihren Fisch in die deutschen Hansestädte und von dort aus weiter nach ganz Europa.

Das Fischereigewerbe ist auch heute noch eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen des Landes. Rund 90 000 Menschen beziehen ihr Einkommen direkt oder indirekt durch den Fang, die Aquakultur, die Verarbeitung oder die Vermarktung von Fischprodukten. Durch ständige Forschung im Bereich der Fischerei hat Norwegen auch auf diesem Gebiet eine weltweit führende Rolle eingenommen.

Aber nicht nur die Fangmethoden, auch die Bewirtschaftung ist ein ständiges Thema für die Norweger. Norwegen arbeitet eng mit dem ICES (Internationaler Rat für Meeresforschung) zusammen, der die Fischbestände überwacht und auf wissenschaftlicher Basis Fangquoten für die einzelnen Fischarten empfiehlt. Der Minister für Fischerei trifft in Zusammenarbeit mit anderen Ländern aber die Entscheidungen und ist verantwortlich für die Fangquoten. Seit langem verfolgt Norwegen das Prinzip der bestandserhaltenden Fischerei und verhindert so eine Überfischung der Bestände.

Etwas hat sich im Laufe der Jahre jedoch verändert. Inzwischen werden viele Fischarten nicht mehr ausschließlich „wild" gefangen, sondern auch in Aquakulturen gezüchtet. Im Bereich Aquakultur gehört Norwegen zu den weltweit führenden Nationen. Das Wissen über Brut und Aufzucht wird beständig weiterentwickelt, das fachliche Know-how in der Praxis umgesetzt und gewinnbringend genutzt. Heute eröffnen sich faszinierende Möglichkeiten für die Aquakultur, auch bei Fischarten, an die vor Jahren noch nicht zu denken war. Etwa Kaltwasserfische wie Kabeljau und Weißer Heilbutt.